Warum flog das Freiheitsdenker-Seminar bei der Theodor-Heuss-Akademie raus?

Die Friedrich Naumann-Stiftung hat das Seminar Denker der Freiheit abgesagt. Über die Gründe scheiden sich die Geister.

Wie in den Jahren zuvor wollten Liberale das Wochenendseminar „Denker der Freiheit: Praxis und Zukunft des Liberalismus – Wege in die Freiheit“ Ende Mai dieses Jahres an der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach durchführen. Doch die „Friedrich Naumann-Stiftung für die Freiheit“, Trägerin der Akademie, sagte das Seminar ab. Die Darstellungen des Sachverhalts gehen auseinander.

Der Initiator Philipp Kalwies zeigt sich im Gespräch enttäuscht. Der Hamburger Liberale hatte 2012 und 2013 bereits zwei Denker der Freiheit-Seminare an der Theodor-Heuss-Akademie organisiert bzw. initiiert. Im Jahr 2010 verantwortete er die Große Freiheit 01 in Hamburg, ein Treffen Liberaler unterschiedlichster Strömungen.

Als er im Februar eine Referentenliste für das Seminar 2014 einreichte, sagt Kalwies, erhielt er weder vom Studienleiter für Liberale Werte und Themen Sebastian Hahn noch vom Akademieleiter Klaus Füßmann eine Rückmeldung. Nach tagelangen Versuchen, die Theodor-Heuss-Akademie zu erreichen, berichtet Kalwies, wurde ihm Ende Februar schließlich telefonisch mitgeteilt, dass der Akademie „die Zusammenstellung in ihrer Gesamtheit so nicht“ passe.

Die geplanten Referenten decken vom FDP-Lokalpolitiker und hessischen Landesvorstandsmitglied Jörg Behlen bis zum anarchistischen Autor Stefan Blankertz eine breite Palette liberaler bis libertärer Positionen ab. Laut Kalwies stießen besonders die Referenten Norbert Tofall, Stefan Blankertz und André Stern den Verantwortlichen bei der Stiftung bitter auf, diese seien bei der Akademie und der Naumann-Stiftung „grundsätzich Personae non Gratae“.

André Stern, der sich gegen Schulzwang engagiert, gab das folgende Statement dazu ab: „In meiner Arbeit – die Ökologie des Lernens – geht es in keiner Weise um meine Person, sondern um das Kind. Es geht um die angeborenen Veranlagungen, die JEDES Kind mit sich auf die Welt bringt, und darum, das Vertrauen in das Kind wiederherzustellen. Das schliesst jede Eitelkeit meinerseits gleich aus – und das möchte ich unterstreichen, bevor ich diesen vor wenigen Tagen in der Presse gelesenen Satz zitiere: ‚Stern fehlt deshalb bei keiner zukunftsorientierten Bildungsveranstaltung‘. Demzufolge bin ich überzeugt, dass hier ein Missverständnis vorliegt, denn die Stiftung ist ja zukunftsorientiert.“

Der libertäre Autor Stefan Blankertz sagte, dazu gegenüber freies.org: „Es scheint so, als habe die Naumann-Stiftung begriffen, dass sie auf der Seite der Ausbeuter steht und mit Liberalismus nichts am Hut hat“.

Für den Leiter der Akademie Klaus Füßmann stellt sich die Sache freilich anders dar. Seit September 2013 habe die Akademie Philipp Kalwies „mehrfach um Vorlage einer Programmskizze und einer Übersicht der angedachten Referenten für das Seminar gebeten“, dessen Titel eigentlich „Denker und Ideen der Freiheit – Europa aus klassisch liberaler Sicht“ gelautet habe, so Füßmann gegenüber freies.org. „Das Thema war geändert worden, und darüber hinaus waren die Referenten nicht mit uns abgestimmt.“ Darauf folgte die Absage, „weil fremde Veranstaltungen nicht unter dem Dach der Theodor-Heuss-Akademie stattfinden.“

Philipp Kalwies findet dabei „die Tatsachen bis zur Unkenntlichkeit, um nicht zu sagen Unwahrheit, verdreht“. Die von ihm eingereichte Liste sei lediglich als Diskussionsgrundlage für die Abstimmung gedacht gewesen. Dennoch sei die Theodor-Heuss-Akademie  zuerst nicht erreichbar und dann zu keinen weiteren Gesprächen bereit gewesen.

Die Theodor-Heuss-Akademie wollte sich gegenüber freies.org nicht weiter äußern.

Die Theodor-Heuss-Akademie ist die zentrale Bildungsstätte der  Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und versteht sich laut Selbstdarstellung „als ein Ort, an dem Diskurse zu aktuellen Herausforderungen der Gesellschaft geführt, Denkanstöße gegeben und liberale Lösungen gefunden werden.“

Philipp Kalwies will die Seminarreihe „Denker der Freiheit“ außerhalb parteinaher Strukturen fortführen.

Beide Seiten betrachten die Sache jetzt als abgeschlossen.


Die von Philipp Kalwies vorgelegte Referentenliste für „Denker der Freiheit: Praxis und Zukunft des Liberalismus – Wege in die Freiheit“ enthält u.a.:

  • Dirk Friedrich*
    Wie sähe ein freiheitliches Europa aus?
  • Katja Triebel
    Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser – auch beim Waffenrecht
  • Stefan Blankertz
    Wege und Strategien für eine liberale Bildungspolitik
  • Norbert Tofall*
    Zwischen Machtversessenheit und Machtvergessenheit. Machtpolitische Zukunftsperspektiven des klassischen Liberalismus in Deutschland und Europa
  • Jörg Behlen
    Energiewende ins nichts? Wege zur Entpolitisierung der Energiepolitik
  • Steffen Krug
    Geld, Gold und Gottspieler – Praktische Vermögenssicherung in Zeiten politischer Repression
  • Kalle Kappner
    Liberalismus und Offene Grenzen: Wie viel Einwanderung verträgt eine freie Gesellschaft?
  • Rahim Taghizadegan
  • André Stern
    Damit die Bildungslandschaft wieder blüht – Ökologie des Lernens
  • Christoph Lövenich
    „Freiheit und Genuss – gehört mein Körper dem Staat?“

* Hinweis zu einem möglichen Interessenkonflikt: Dieser Autor war von 2011 bis 2012 zeitgleich mit Norbert Tofall und Dirk Friedrich Mitarbeiter des liberalen Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler.

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