Das Kreuzworträtsel

Dan Schueftan im Interview über die Islamische Republik im Iran, den arabischen Frühling und Kreuzworträtsel in der UNO.

Dan Schueftan liebt das – gelinde gesagt – direkte Wort. Über die richtige Herangehensweise an Israels Sicherheitsprobleme sagt er gerne, dass es verschiedene Denkschulen gäbe. Seine und die falschen. Der Professor der Universität Haifa forderte als erster den israelischen Abzug aus Gaza und poltert gerne gegen die europäische Sicht der Welt. Mit uns sprach er über die Islamische Republik im Iran, den arabischen Frühling und Kreuzworträtsel in der UNO. 

Herr Schueftan, zur Zeit sind Sie auf Vortragsreise durch Deutschland. Welchen Eindruck haben Sie gewonnen? Kann Israel sich auf Deutschland verlassen?

Die Frage ist: Wobei? Im Moment gibt es in Deutschland eine Regierung, die freundlich ist, was die Routinefragen betrifft. Aber wenn es um die existentiellen Fragen geht, dann ist Israel hauptsächlich abhängig von sich selbst und der amerikanischen Hilfe. Aber für das, was man von einem europäischen Staat erwarten kann, sind die Beziehungen mit Deutschland im Moment gut.

Populäre Märchen

Wo sehen Sie Schwierigkeiten zwischen Israel, Deutschland und Europa?

Es ist für Europäer sehr schwer zu verstehen, dass das Böse wirklich existiert. Die Europäer haben so eine Phantasie, ein Märchen, dass man mit jedem Dialoge führen kann. Das ist der neue Name für Appeasement. Man glaubt, mit den Barbaren könne man dialogisieren. Dieses Märchen ist sehr populär in ganz Europa. Aber Frau Merkel versteht das, weil sie sich erinnert, dass das Böse wirklich existiert. Sie hat unter so einer Regierung gelebt und sie versteht, dass die Alternative zu der momentanen Lage nicht wünschenswert ist.

Wie gefährlich ist der islamistische Terror im Vergleich zur atomaren Bewaffnung der Islamischen Republik im Iran?

Das ist überhaupt nicht zu vergleichen. Terrorismus ist unangenehm. Terrorismus kann das Leben schwer machen, problematisch. Aber Terror kann man auf ein Niveau reduzieren, mit dem man leben kann. Das haben wir ungefähr vor 10 Jahren erreicht und den Terrorismus um 95 bis 98 Prozent reduziert. Man kann also damit fertig werden. Eine Kernwaffe ist eine ganz andere Frage. Ein Iran mit Atomwaffen würde sehr negative und gefährliche Auswirkungen auf die ganze Weltordnung haben. Es geht dabei nicht nur um den Nahen Osten, sondern die ganze Welt würde sich verändern. Es würde sechs bis sieben Nuklearmächte im Nahen Osten geben, dem gefährlichsten Teil der Welt, und andere Länder würden folgen. Das muss unbedingt verhindert werden.

Unglücklicherweise können nur die USA das verhindern und derzeit ist die US-Regierung weder zur Zerstörung der iranischen Atomanlagen bereit, noch dazu, die Iraner mit glaubwürdigen militärischen Drohungen zur Aufgabe zu zwingen. Das aktuelle Dilemma ist, ob Israel alleine handeln soll, oder ob Iran erlaubt wird, eine Atommacht zu werden. Das sind die realistischen Alternativen, denn Sanktionen sind nicht effektiv und werden nicht effektiver werden. Das Dilemma für Israel besteht darin, dass Nichthandeln katastrophale Folgen hätte. Andererseits sind die USA gegen einen Militärschlag. Ein Alleingang Israels würde daher nicht nur zu einem Konflikt mit den USA führen, die USA würden bei den Aktionen Israels auch nicht mitziehen. Das ist ein ernstes Dilemma und ich kann Ihnen nicht sagen, wie man da herauskommt.

Kreuzworträtsel? Lösbar. Nahost? Niemals.

Wie lässt sich der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern lösen?

Es ist schwer, überhaupt zu einer Lösung zu kommen. Das einzige was eine Lösung hat, sind Kreuzworträtsel. Alle anderen Fragen in der Welt haben, wenn überhaupt, sehr, sehr komplizierte Lösungen. Armut hat keine Lösung. Kriminalität hat keine Lösung. Wenn Sie verheiratet sind, wissen Sie, es gibt noch andere Fragen ohne Lösungen. Diese infantile Einstellung, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt, ist eine, mit der sie wunderbare Märchen schreiben können. Aber wenn Sie die reale Welt anschauen, dann sieht es komplizierter aus.

Ich hätte mich gefreut, wenn Frieden möglich wäre. Aber meine Meinung ist: Mit den Palästinensern war es nicht möglich, ist es nicht möglich und wird es in der nahen Zukunft nicht möglich sein. Ich schlage daher einen einseitigen Abzug Israels aus großen Teilen der West Bank vor, so wie wir es in Gaza gemacht haben.

Weshalb unterstützen Sie einen solchen einseitigen israelischen Rückzug?

Weil es kein Abkommen zwischen Israel und den Palästinensern geben wird. Die Palästinenser sind nicht zur Anerkennung eines jüdischen Staates bereit, sie wollen keine Verantwortung übernehmen. Die Palästinenser sind nicht in der Lage, eine moderate, gemeinsame Position einzunehmen. Ein dauerhaftes Zusammenleben mit den Palästinenser in der selben politischen Einheit ist für uns nicht akzeptabel, denn Israel ist ein demokratischer und ein jüdischer Staat und möchte das auch bleiben. Deshalb müssen wir diese Gebiete verlassen. Wenn die beste Option eines Abkommens nicht möglich ist, darf die Alternative nicht die schlechteste Option eines dauerhaften Verbleibs sein. Stattdessen sollte man etwas tun, was nicht wirklich gut ist, aber besser als die schlechteste Option, und das ist ein einseitiger Rückzug.

Wir haben dies in Gaza gemacht, es hat mehr Terror gebracht, das gebe ich zu, aber die israelische Gesellschaft ist ohne Gaza viel stärker als mit Gaza. Ebenso wäre eine israelische Gesellschaft stärker, die nicht Millionen von Palästinensern kontrollieren muss. Die Tatsache, dass die Palästinenser unverantwortlich sind und einen jüdischen Staat nicht anerkennen wollen, darf uns nicht davon abhalten, das zu tun, was von einer jüdisch-zionistischen Position aus notwendig ist.

In der Witzbude der Barbarei

Welche Rolle kann die UNO bei der Lösung des Konflikts spielen?

Ich beglückwünsche Sie zu ihrem Sinn für Humor. Die UNO wird von der Mehrheit beherrscht. Und die Mehrheit der Staaten in der UNO ist entweder barbarisch oder unterstützt die Barbarei. Um zu erwarten, dass man irgendeine sinnvolle Hilfe von der UNO kriegen kann, muss man schon einen sehr weit entwickelten Humor haben.

Was erwarten Sie von den Umbrüchen in der arabischen Welt?

Was als „arabischer Frühling“ begann und gefeiert wurde, spielt in die Hände der am besten organisierten Kräfte der arabischen Welt, der Muslimbruderschaft. Das ist eine sehr gefährliche, nicht pluralistische und in ihrer derzeitigen Form nicht demokratiefähige Kraft. Ich sehe daher im Nahen Osten mehr Instabilität, mehr Gewalt, ein höheres Konfrontationsrisiko und deshalb aus israelischer Sicht eine gefährlichere Umgebung.

Was kann Israel bei der Bewältigung der Konflikte besser machen?

Ich glaube nicht, dass wir da viel tun können. Ich erwarte nur, dass man Israel beschuldigt, wir hätten das Tote Meer umgebracht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.