Alle Märkte werden schwarz

Cody R. Wilson ist Initiator des DefDist-Projekts. Es entwickelt Baupläne für Waffenbauteilem die mit 3D-Druckern produziert werden können. Als bekennender Libertärer beantwortet Cody Fragen zur Denkschule, dem 3D- und dem Verfolgungs-Druck.

Cody R. Wilson & AR-15 ( Photo: Marisa Vasquez / The Daily Texan)
Cody R. Wilson & AR-15 ( Photo: Marisa Vasquez / The Daily Texan)

Cody R. Wilson ist Initiator des DefDist-Projekts. Es entwickelt Baupläne für Waffenbauteilem die mit 3D-Druckern produziert werden können. Als bekennender Libertärer beantwortet Cody Fragen zur Denkschule, dem 3D- und dem Verfolgungs-Druck.

 

Cody, Das Magazin “Wired” zählt Dich zu den 15 gefährlichsten Menschen der Welt. Muss ich jetzt Angst haben?

Die Hysterie, die unser Versuch verursacht, folgt aus der existentiellen Angst dieser hasserfüllten Menschen vor Ihrer eigenen grundlegenden Freiheit. Wir sind Futuristen, die mit begrenzten Mitteln an den Grenzen einer  noch unzureichenden Technologie operieren. Es ist unsere Vision, die sie am meisten ärgert. Diese Vision ist für Etatisten am schwierigsten zu verstehen (Aber, aber,  wir hatten doch Pläne!). Das ist die Macht.

Die Startseite von DefDist wirkt wie ein wahr gewordener  libertärer Traum. Waffen, Heimwerken, Bitcoins und viele  libertäre Unterstützer. Eigentlich fehlt nur noch die Drogenfreigabe…

Ich glaube, implizit gehört das Drogenthema sowieso dazu. Nein, wirklich. Die Waffe ist einfach ein eindrückliches Beispiel für jedes andere Gut. Die Logik des Projekts erstreckt sich letzten Endes auf alle Aspekte des Lebens. Wie können wir das Internet und unser produktives Kapital nutzen, um staatliche Akteure  zu entmachten und unsere Freiräume zu erweitern? Der gesamte Markt, auch für Währungen, sollte schwarz werden.

Laut deiner Selbstbeschreibung auf DefDist bist Du ein «Schüler Bastiats, Hoppes und Jasays». Kannst Du uns kurz deine philosophischen Grundlagen erläutern, bevor wir näher über das Projekt sprechen? Wieviel Staat akzeptierst Du in deinem Leben?

Ich sehe DefDist als praktizierte »Immanente Kritik« , um Marcuse zu zitieren. Zumindest als ein Kritik des Amerikanischen Konstitutionalismus. Wir sehen uns sicherlich alle als Libertäre, aber Ben und ich sind eher Markt-Anarchisten. Ich glaube nicht, dass ein Staat, wie ihn die Politikwissenschaft definiert, für das Vorankommen einer Gesellschaft notwendig ist. Besonders demokratische Staaten sind Einbahnstraßen, die zu gigantischer menschlicher und wirtschaftlicher Verschwendung, Krieg und Fehlinvestitionen führen. Meine deutschen Freunde kennen die Probleme einer politischen und einer Währungs-Union sicherlich besser als ich! Ich sehe eine Zukunft mit föderalen Gemeinden, dahinsiechenden, reaktionären Staaten.Wir müssen jetzt anfangen,  mit Kryptowährungen und privatem Austausch die Bestie (den Staat, Anm. d.R.) auszuhungern.

Welche Rolle spielen Kryptowährungen hier im Allgemeinen?

Eine SEHR große Rolle. Tatsächlich verbringe ich die meiste Zeit, die ich nicht mit Defense Distributed beschäftigt bin, damit. Kryptowährungen können die Quelle sein, die Vision von Menschen wie Tim May finanziert. Es ist schon erstaunlich, dass wir hier keine schnellere Verbreitung sehen.

Und Bitcoin im besonderen?

Bitcoin ist die bisher  erfolgreichste Kryptowährung. Und zwar aus verschiedenen Gründen, aber der tägliche Gebrauch ist ein großartiger Test. Die Bitcoin-Wirtschaft ist groß. Die Marktplätze funktionieren, sehr gut sogar. Wir sehen Restaurants und Dienstleister, die Bitcoin-Zahlungen akzeptieren.  Die Versuche des Projekts, Regulierungsbehörden und staatlichen Stellen entgegen zu kommen sehe ich kritisch, aber ich  vertraue auch darauf, dass wenn die Währung von staatlichen Regulierungsinteressen gefesselt wird, eine konkurrierende Währung und ihr Quellcode sich an die Spitze setzen. Was dieses Thema Währungswettbewerb betrifft, glaube ich, dass dies die Zukunft ist. Ich werde Anfang 2013 mehr dazu sagen. In einem Video.

Erkläre unserem Publikum doch bitte, warum Bewaffnung eine Voraussetzung für Freiheit sein soll.

Hier muss man sauber unterscheiden. Ich glaube nicht, dass man bewaffnet sein muss um frei zu sein. Ich glaube, man muss die Freiheit haben, sich bewaffnen zu können, wenn man es denn möchte. Das Recht bewaffnet zu sein  beginnt mit dem Recht auf Eigentum und geht weiter mit dem Recht, sich zu schützen. Staaten können hier keinerlei Enteignung rechtfertigen, egal welche Herzschmerz-Apologeten sich vor die Kameras stelllen.

Und was trägt der 3D-Druck zur Freiheit bei, sich bewaffnen zu können?

3D-Druck könnte  die Technologie sein, die für kleine, autarke Gemeinschaften außerhalb des korporatistischen  Modells persönliche, kleinteilige Produktion ermöglicht. Und hier will ich auf die Drogenfrage zurück kommen – stell dir die gleiche Technologie vor, aber bis zur Molekular-Ebene weiterentwickelt. Das wäre die Apotheke im Hobbykeller. Vielleicht ist das Ganze größer, als wir uns das jetzt vorstellen können. Was besonders wichtig ist; 3D-Druck ermöglicht, viele Produktionszweige den traditionell stark gesetzlich eingeschränkten Kanälen zu entziehen. Die Welt würde sich auf das Ideal der frühen Sozialisten und Anarchisten zubewegen ‒ wir werden alle mehr Zugang zu den Produktionsmitteln haben.

Aber bisher habt Ihr nur das untere Gehäuse einer AR-15 produziert. Läufe und Verschlüsse sind in einer ganz anderen Liga. Kann man so etwas überhaupt drucken?

Ja, das kann schon jetzt alles gedruckt werden. Die Frage, die Du aufwirfst, bezieht sich auf Integrität und Stärke. Wir haben Ingenieure, die sich mit den besonderen Fragen, der Haltbarkeit von Läufen, Verschlüssen und Bolzen befassen. Für mich sind das vor allem interessante Probleme, die zu lösen sind und unsere Herangehensweise werden wir offenlegen, wenn es so weit ist.

Abseits aller technischen Fragen; welche Behinderungen erwartest von staatlicher Seite? Schließlich untergräbst Du ihre Zugangskontrolle zu bestimmten Waffen. Da muss doch eine Reaktion kommen.

Ich rechne mit allen möglichen Überreaktionen, Zensurversuchen und Behinderungen. Natürlich erwarte ich, dass man mich belastet, belästigt und bedroht. Aber ich werde ihre kleinlichen  Regeln befolgen, wo ich ihren Gesetzen und der Gewaltandrohung unterworfen bin. Und wenn ich nicht mehr geschützt bin, gehe ich woanders hin, wo das noch der Fall ist.

Eric S. Raymond, der Open-Source-Pionier, Waffenenethusiast und libertäre Vordenker hat bereits im August Euer Projekt anerkennend erwähnt. Wie findest Du das?

ESR versteht Freiheit. Er begreift sie. Das gilt nicht für Richard Stallman, der für mich nur ein gewöhnlicher Etatist ist. Open Source ist unser Lizenzmodell für die veröffentlichten Baupläne. Und was die verwendeten Tools betrifft, Modified BSD, Zlib. usw., war ESRs Hilfe schon von unschätzbarem Wert für uns.

Wenn Du dir erlaubst, mal ein wenig zu spinnen. Wo soll die Reise hingehen?

Ich bin nur ein Überträger für Ideologie. Die moderne neoliberale Demokratie ist ein strauchelnder Götze. Der Gott ist keiner, um Hoppe zu zitieren. Es ist absurd, geradzu verzweifelt, sich einzureden, wir lebten in einem permanenten polithistorischen Endzustand. Und dennoch ist dies das einzige was in den meisten OECD-Ländern einem politischen Programm nahekommt.  Die Hoffnung wird wohl sein, dass die Technologie uns wirklicheine Dezentralisierungsbewegung ermöglicht; nicht ohne zu vergessen, dass viele Zeitgenossen sich an jeden Trümmer der alten Machtsystem krallen werden. Föderale, unabhängige aber doch vernetzte Gemeinden. Mehr Abstimmung mit den Füßen. Vielleicht den antiken Stadtstaaten nicht ganz unähnlich. Geschichte reimt sich.

 

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