Alles Gold der Welt

Alle reden vom Geld. Aber wer versteht es? Der Journalist Daniel Eckert stellte bei einem Vortrag im Hayek-Club sein Buch zum Thema Geld und Gold vor.

Der Welt-Finanzredakteur Daniel D. Eckert stellte am 6. Februar 2014 im Hayek-Club Berlin sein Buch Alles Gold der Welt vor. In diesem Buch stellte Eckert zwei mögliche Eskalationszenarien für die strukturelle Entwicklung des staatlichen Geldmonopols zur Diskussion und skizzierte eine mögliche Lösung.

«Das Buch ist gewissermaßen ein Produkt der Krise», sagte Eckert. Einerseits sei es als Auseinandersetzung mit dem bisher Geschehenen zu verstehen. Andererseits wolle er Alternativen zum alternativlosen Geldsystem aufzeigen.

Verschwommene Begriffe

Seine Befürchtung: Das verbreitete Unbehagen über Finanzkrisen und allgemeines Staatsversagen könne zu falschen Schlüssen führen. Deshalb verstehe er das Buch als Beitrag, sich auf größere Krise einzustellen.

«Geld löst Unbehagen aus», sagte Daniel Eckert über die verbreitete Reserviertheit, sich eingehend mit Finanzfragen zu beschäftigen. Dieses Unbehagen nähre sich aus der Tatsache, dass der Begriff Geld zwei sehr unterschiedliche Dinge bezeichne. Einerseits sei da das Bargeld als von der Zentralbank ausgegebenes gesetzliches Zahlungsmittel. Dem stehe das Giralgeld als von den Banken geschöpftes Abstraktum gegenüber.

Die Geschäftsbanken, so Daniel Eckert, würden durch Kredite — bei einem gesetzlich verordneten Mindestreservesatz von gerade einem Prozent — den Großteil der Geldschöpfung verantworten. Über die Zeit habe sich ein politisch-finanzieller Komplex gebildet in dem -Geschäftsbanken, Zentralbanken und Regierungen einander die Bälle zuspielten.

Diesen Kreislauf beschrieb Daniel Eckert wie folgt:

  • Banken kaufen Staatsanleihen, für die sie keine Sicherheiten in der Bilanz vorhalten müssen.
  • Diese Anleihen werden bei der Zentralbank als Sicherheit für die Versorgung mit frischer Liquidität hinterlegt.
  • Mit dieser Liquidität werden den Regierungen über Staatsanleihen neue Kredite zur Schuldenfinanzierung ihrer Haushalte ermöglicht.

Dadurch finanziere sich der Staat, so Daniel Eckert weiter, über den Umweg der Geschäftsbanken aus der Zentralbank. Daraus entstehe ein staatliches Interesse an einem reibungslos funktionierenden Bankensektor. Denn nur durch dessen Kredite könnten Regierungen ständig mehr ausgeben, als sie an Steuern einnehmen — zu Lasten der Bürger, deren Anlagen durch die Geldmengenausweitung entwertet werden.

Echte Alternativen?

Doch dieses System ist für Daniel Eckert «kein wirkliches Perpetuum Mobile». Die Verschuldung sei seit der Kappung der Goldbindung kontinuierlich gestiegen, auf ca. 13 Billlionen (13 Millionen Millionen) in den USA und 11 Billionen Euro in der EU. Das sei «kein nachhaltiges Szenario. Das muss kollabieren.»

Natürlich, gestand Daniel Eckert ein, sei es bei Journalisten beliebt, Untergangsszenarien zu skizzieren. So sei ein unkontrollierbarer Kollaps der beschriebenen Spirale durchaus möglich. Aber auch ein anderes Szenario sei denkbar.

In diesem zweiten Szenario würde das Funktionieren des beschriebenen Kreislaufs durch immer tiefere Markteingriffe ermöglicht. So würden steigende Zinsen für vertrauensunwürdige Staatsanleihen durch Zentralbanken gedrückt, die solche Anleihen aufkauften.

Diese direkte Schuldenfinanzierung aus der Zentralbank führe zu dem paradoxen Effekt, dass die Zinsen für Anleihen überschuldeter Staaten kontinuierlich sinken. Dies sei das Gegenteil einer Marktsituation, da die Zentralbanken jedes Risiko für Anleihenkäufer egalisierten.

«Beim jetzigem Schuldenstand ist ein Kurswechsel unvorstellbar», erklärte Daniel Eckert weiter. Stattdessen seien Maßnahmen wie Kapitalverkehrskontrollen, Bargeldkontrollen, Devisenbewirtschaftung, und eine Bargeldabschaffung wahrscheinlich. «Die Staaten können nicht mehr auf den Markt setzen.»

Nach Ansicht Daniel Eckerts «münden beide Szenarien letztlich in finanzieller Repression».

Und wo bleibt das Positive, Herr Eckert?

Nachdem er die Situation und ihre wahrscheinlichen Folgen skizziert hatte, widmete Daniel Eckert sich zwei Vorschlägen, denen er eher skeptisch gegenüber steht. Zuerst beschäftigte er sich mit dem «Vollgeld», einem Konzept in dem den Geschäftsbanken das Geldschöpfungsprivileg entzogen werden soll.

Die Kreditschöpung soll stattdessen durch eine Zentralgewalt, die «Monetative» erfolgen, die neben die drei klassischen Staatsgewalten, Legislative, Judikative und Exekutive treten würde.

Außerdem im Fokus: Der als «Freigeld» einschlägig bekannte Vorschlag von Silvio Gesell. Bei diesem Geld mit Schwundeigenschaften würden Zinsen abgeschafft und das Geld würde wegen des vorbestimmten Wertverlusts nicht gehortet werden.

Daniel Eckert kritisierte diese Modelle: «Beides läuft noch weitergehende staatliche Kontrolle des Geldes hinaus.» Dennoch seien für viele solche Ansätze intuitiv sympathisch — auch weil die eingangs beschriebene Verwirrung über den Gehalt des Begriffs Geld herrsche.

Hayeks Werk und Eckerts Beitrag

Als drittes, von ihm bevorzugtes, Szenario nannte er das Marktgeld nach dem Vorschlag des Ökonomen Friedrich A. von Hayek. Die Zahlungsmittel und Guthabeneinheiten würden in diesem Fall durch verschiedene Anbieter verwaltet. Allerdings seien die heutigen Geschäftsbanken mit ihren extrem niedrigen Eigenkapitalquoten zu schlecht aufgestellt, um ernstzunehmende Währungen auszugeben.

Denkbar seien daher kurzfristig hauptsächlich durch Realwerte gedeckte Währungen, also Warengeld. Deren Wertanker sei die Knappheit. Da physische Güter nicht beliebig vermehrbar sind, seien Schulden in diesen Währungen begrenzt.

Allerdings sei eine volle Besicherung der umlaufenden Kreditmittel nicht möglich. Die Reserven der Bundesbank könnten die Geldmenge lediglich zu 4% hinterlegen. Allerdings sei dies historisch sogar ein guter Wert.

Es sei nicht zu erwarten, räumte Daniel Eckert ein, dass Banken und Staaten eine begrenzende Golddeckung akzeptieren würden. Daher schlug er vor, Gold als Parallelwährung einzuführen und als gesetzliches Zahlungsmittel. Für die Steuerzahlung — die das gesetzliche Zahlungsmittel wesentlich definiert— in Gold müsse wahrscheinlich lediglich die Abgabenordnung geändert werden.

Dabei erwarte er nicht, dass Gold den Euro verdrängen würde. Der habe auch seine Meriten, z.B. weit geringere Transaktionskosten. Das ergänzende Nebeneinander verschiedener Währungen ist für Daniel Eckert «die Alternative, die einer freiheitlichen Ordnung gerecht wird».

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