Der gesamte Markt sollte schwarz werden

Cody R. Wilson, der Pläne für Waffen aus dem 3D-Drucker entwickelt, beantwortet Fragen zur Denkschule, dem 3D- und dem Verfolgungs-Druck.

Cody, die Startseite von DefDist wirkt wie ein wahr gewordener libertärer Traum. Waffen, Heimwerken, Bitcoins und viele  libertäre Unterstützer. Eigentlich fehlt nur noch die Drogenfreigabe…

Ich glaube, implizit gehört das Drogenthema sowieso dazu. Nein, wirklich. Die Waffe ist einfach ein eindrückliches Beispiel für jedes andere Gut. Die Logik des Projekts erstreckt sich letzten Endes auf alle Aspekte des Lebens. Wie können wir das Internet und unser produktives Kapital nutzen, um staatliche Akteure  zu entmachten und unsere Freiräume zu erweitern? Der gesamte Markt, auch für Währungen, sollte schwarz werden.

Laut deiner Selbstbeschreibung auf DefDist bist Du ein „Schüler BastiatsHoppes und Jasays„. Kannst Du uns kurz deine philosophischen Grundlagen erläutern, bevor wir näher über das Projekt sprechen? Wieviel Staat akzeptierst Du in deinem Leben?

Ich sehe DefDist als praktizierte „Immanente Kritik“, um Marcuse zu zitieren. Zumindest als ein Kritik des Amerikanischen Konstitutionalismus. Wir sehen uns sicherlich alle als Libertäre, aber Ben und ich sind eher Markt-Anarchisten. Ich glaube nicht, dass ein Staat, wie ihn die Politikwissenschaft definiert, für das Vorankommen einer Gesellschaft notwendig ist. Besonders demokratische Staaten sind Einbahnstraßen, die zu gigantischer menschlicher und wirtschaftlicher Verschwendung, Krieg und Fehlinvestitionen führen. Meine deutschen Freunde kennen die Probleme einer politischen und einer Währungs-Union sicherlich besser als ich! Ich sehe eine Zukunft mit föderalen Gemeinden, dahinsiechenden, reaktionären Staaten. Wir müssen jetzt anfangen,  mit Kryptowährungen und privatem Austausch die Bestie (den Staat, Anm. DF) auszuhungern.

Erkläre unserem Publikum doch bitte, warum Bewaffnung eine Voraussetzung für Freiheit sein soll.

Hier muss man sauber unterscheiden. Ich glaube nicht, dass man bewaffnet sein muss um frei zu sein. Ich glaube, man muss die Freiheit haben, sich bewaffnen zu können, wenn man es denn möchte. Das Recht bewaffnet zu sein beginnt mit dem Recht auf Eigentum und geht weiter mit dem Recht, sich zu schützen. Staaten können hier keinerlei Enteignung rechtfertigen, egal welche Herzschmerz-Apologeten sich vor die Kameras stellen.

„Zugang zu den Produktionsmitteln“

Und was trägt der 3D-Druck zur Freiheit bei, sich bewaffnen zu können?

3D-Druck könnte  die Technologie sein, die für kleine, autarke Gemeinschaften außerhalb des korporatistischen  Modells persönliche, kleinteilige Produktion ermöglicht. Und hier will ich auf die Drogenfrage zurück kommen – stell dir die gleiche Technologie vor, aber bis zur Molekular-Ebene weiterentwickelt. Das wäre die Apotheke im Hobbykeller. Vielleicht ist das Ganze größer, als wir uns das jetzt vorstellen können. Was besonders wichtig ist; 3D-Druck ermöglicht, viele Produktionszweige den traditionell stark gesetzlich eingeschränkten Kanälen zu entziehen. Die Welt würde sich auf das Ideal der frühen Sozialisten und Anarchisten zubewegen ‒ wir werden alle mehr Zugang zu den Produktionsmitteln haben.

Aber bisher habt Ihr nur das untere Gehäuse einer AR-15 produziert. Läufe und Verschlüsse sind in einer ganz anderen Liga. Kann man so etwas überhaupt drucken?

Ja, das kann schon jetzt alles gedruckt werden. Die Frage, die Du aufwirfst, bezieht sich auf Integrität und Haltbarkeit. Wir haben Ingenieure, die sich mit den besonderen Fragen, der Haltbarkeit von Läufen, Verschlüssen und Bolzen befassen. Für mich sind das vor allem interessante Probleme, die zu lösen sind und unsere Herangehensweise werden wir offenlegen, wenn es so weit ist.

„Open Source ist unser Lizenzmodell“

Abseits aller technischen Fragen; welche Behinderungen erwartest von staatlicher Seite? Schließlich untergräbst Du ihre Zugangskontrolle zu bestimmten Waffen. Da muss doch eine Reaktion kommen.

Ich rechne mit allen möglichen Überreaktionen, Zensurversuchen und Behinderungen. Natürlich erwarte ich, dass man mich belastet, belästigt und bedroht. Aber ich werde ihre kleinlichen  Regeln befolgen, wo ich ihren Gesetzen und der Gewaltandrohung unterworfen bin. Und wenn ich nicht mehr geschützt bin, gehe ich woanders hin, wo das noch der Fall ist.

Eric S. Raymond, der Open-Source-Pionier, Waffenenethusiast und libertäre Vordenker hat bereits im August Euer Projekt anerkennend erwähnt. Wie findest Du das?

ESR versteht Freiheit. Er begreift sie. Das gilt nicht für Richard Stallman, der für mich nur ein gewöhnlicher Etatist ist. Open Source ist unser Lizenzmodell für die veröffentlichten Baupläne. Und was die verwendeten Tools betrifft, Modified BSD, Zlib. usw., war ESRs Vorarbeit schon von unschätzbarem Wert für uns.

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